Jugendgelände in Pattonville

Kinder und Eltern engagieren sich auf dem Jugendfreizeitgelände in Pattonville

Pattonville. Allmählich nimmt das Jugendgelände Pattonville Gestalt an: Die Bauarbeiten sind in vollem Gang. Der Ziegenstall soll Ende April seiner Bestimmung übergeben werden. Um die Tierhaltung wird sich die Grundschule Pattonville kümmern.

Von Stefanie Köhler, Kornwestheimer Zeitung 16.04.2008


Auf dem 740 000 Euro teuren und 1,2 Hektar großen Gelände des Zweckverbands Pattonville entsteht mit Bau- und Hüttenbereich, Klettergarten, Abenteuerspielplatz und Ziegenhaltung ein wahres Abenteuerland. Der Ziegenstall und das Gehege, erläutert Hermann Braun, Konrektor der Grundschule, stelle einen Teil der Kooperation zwischen dem Jugendgelände und der Grundschule dar. Dieter Sauter von der Jugendhilfe der Karlshöhe Ludwigsburg - sie hat die Betriebsträgerschaft des Projekts übernommen und ist für die inhaltliche Konzeption und Umsetzung verantwortlich - ergänzt: "Vor den Weihnachtsferien hat es in der Schule einen Aufruf zum Ziegenstallbau gegeben." Mit riesiger Resonanz. Weil sich so viele Leute beteiligen möchten, gibt es verschiedene Baustellen, erklärt Braun. "Mehr als 100 Pattonviller Familien machen mit, ein Drittel der Schule." Über das enorme Engagement freut sich der Konrektor sehr. "Die Leute haben verstanden, dass das eine wichtige Sache ist."











Ziegen ziehen in eine Luxusbehausung

Nach den Sommerferien sollen die tierischen Bewohner, eine Ziegenmutter und zwei Junge von der Tübinger Partnerschule, den Stall beziehen. Damit sich die Grundschüler um die Tiere kümmern, gibt es ab kommendem Schuljahr die Ziegen-Arbeitsgemeinschaft - in der Grundschule Pattonville Atelier genannt - für Zweit- bis Viertklässler. Lehrerin Martina Annuschek führt bereits das Naturatelier mit Kleintieren. "Dadurch kennen sich die Kinder mit Tieren aus. Sie freuen sich total auf die Ziegen", sagt sie. Durch das Atelier wird die Tierhaltung, die den Kindern Verantwortungsbewusstsein vermitteln soll, auch in den Schulbetrieb integriert. Von elterlichem Engagement geht Annuschek ebenfalls aus. "Die Erfahrung zeigt, dass das kein Problem ist." So würden sich Eltern bereits gern dem Gang zum Tierarzt oder der kleintierischen Wochenend- und Ferienbetreuung annehmen.

Wie Schneekönige freuen sich die Kinder. "Das wird super", sind sich Marvin (sieben Jahre alt) und Sven (acht) sicher. Liebevoll haben sie hölzerne Wegweiser mit rotem Schriftzug gebaut. Die stecken bereits im Boden. "Ich finde Jugendfarm mit Tierhaltung toll", sagt Susanne Hessler, Mutter von Salome (acht), "gerade wenn man zu Hause nicht die Möglichkeit hat, Tiere zu halten." Dass das Jugendgelände langfristig bestehen bleibt, hofft Hessler sehr. Salome und Cousine Lisa-Marie (neun) kennen Ziegen aus dem Zoo. "Aufs Füttern und Streicheln freuen wir uns am meisten", meint Salome.

Sechs Väter von Grundschülern bauen am Ziegenstall. Konzentriert sägen, hämmern, bohren und schrauben sie nun jeden Samstag im April. Schließlich soll der Stall aus drei Kubikmetern Fichtenholz bis zum Monatsende stehen. Schreiner Heinz Fink sorgt für das Holz und packt tatkräftig mit an. Für das Design ist Architekt Matthias Hübner zuständig. Dank ihm bekommen die künftigen Bewohner ein drei auf fünf Meter großes Zuhause - inklusive Gehege, Vordach, zwei Türen, beheizter Tränke und Toilette. "Ziegen benutzen für ihr Geschäft gern eine Grube. Wir haben dazu ein 80 Zentimeter tiefes Loch gegraben", erzählt Hübner. Überhaupt sei der Stall "richtig Luxus".

Vom eher schlechten Wetter lassen sich die Bauherren nicht beeindrucken. Vater Martin Götte: "Solche Projekte sollte man unterstützten." Heutzutage habe die Jugend viel weniger Spielraum als früher, begründet er sein Engagement auf dem Jugendfreizeitgelände. Auf dem Gelände mitzuhelfen, stehe außer Frage. "Wir sind ein gutes Team." Auch Jürgen Hessler macht die Arbeit Spaß. Obgleich sie manche Mühe erfordert. "Zimmermannsgeschäfte sind immer anstrengend", weiß der gelernte Schreiner.

In die gleiche Zielrichtung laufen

Leitbild für die Kinder- und Jugendarbeit in Pattonville

Pattonville. Für die Kinder- und Jugendarbeit in Pattonville gibt es jetzt ein Leitbild. Für die kommunalen Einrichtungen Bürgertreff und Jugend- und Freizeitgelände hat es verbindlichen Charakter, für andere Einrichtungen dient es, so hoffen die Initiatoren, als Richtschnur.


Von Susanne Mathes, Kornwestheimer Zeitung 2.05.2008


Dass Kinder- und Jugendangebote von Kommune, Vereinen und Organisationen nebeneinander herlaufen, das sei in genügend Städten der Fall, findet die Arbeitsgruppe Gesamtkonzeption der Pattonviller AG Jugend. In dem kinderreichen, stark wachsenden Ort zwischen Kornwestheim, Remseck und Ludwigsburg soll das nicht passieren. Gewünscht ist stattdessen so viel Zusammenarbeit wie möglich. Der eine Träger soll wissen, was der andere macht - zum Wohl der Heranwachsenden. Denn von ihnen gibt es in Pattonville mehr als in den meisten anderen Orten: 37 Prozent der Pattonviller sind Kinder und Jugendliche. Der Bundesdurchschnitt kommt gerade mal auf 21 Prozent. Dazu kommt, dass in Pattonville Menschen aus 50 Nationen zusammenleben. Ein Zusammenleben, das gestaltet sein will.


"Pattonville soll für Kinder und Jugendliche lebens- und liebenswert sein", steht deshalb in der Präambel des Werks, an dem die Arbeitsgruppe Gesamtkonzeption unter Moderation von Ulrich Schlingensiepen in den vergangenen Monaten gearbeitet und gefeilt hat. "Viel fachliche Kompetenz aus Pädagogik, Jugendarbeit und Sozialarbeit saß in diesem Gremium", erklärte Remsecks Erster Bürgermeister Karl-Heinz Balzer, der zusammen mit den Beteiligten das Leitbild am Mittwoch im Pattonviller Beirat vorstellte.


Darin sind zum einen Grundsatzziele festgeschrieben - etwa, dass Interessen und Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen in den Entscheidungs- und Planungsgremien berücksichtigt werden, dass die Kinder- und Jugendarbeit im Gemeinwesen aufeinander abgestimmt ist und dass Kinder und Jugendliche Angebote und Ansprechpartner für ihre ganz individuellen Lebenslagen vorfinden: Erlebnis-, freizeit- und gruppenpädagogische Angebote genauso wie Betreuungs- und Beratungsangebote in schwierigen Situationen.


Zum anderen ist in dem Leitbild festgezurrt, welche Aspekte bei der Kinder- und Jugendarbeit in Pattonville berücksichtigt werden sollen. Transparenz und Vernetzung stehen dabei an oberster Stelle: Die einzelnen Organisationen arbeiten im besten Fall eng zusammen und stimmen sich ab, ihre Mitarbeiter sind vor Ort bekannt, und eine regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit soll für eine festere Verankerung im Ort sorgen. Viele gute Beispiele für die gewünschte Vernetzung gibt es in Pattonville ohnehin schon - etwa, dass sich die Grundschule um die Ziegenhaltung auf dem Freizeitgelände kümmert oder dass die Realschule, ebenfalls auf dem Freizeitgelände, ein Fotovoltaik-Projekt auf dem Dach der Containerbauten plant.


Ebenfalls ein zentrales Anliegen des Leitbildes: Die Angebote der Kinder- und Jugendarbeit richten sich an alle - ob behindert oder nicht behindert, ob deutsch oder mit Migrationshintergrund. Toleranz und Akzeptanz sollen gestärkt werden. "Ein hoher Anspruch, aber man sollte auf jeden Fall versuchen, ihm gerecht zu werden", sagte Kultur- und Jugendreferent Bernhard Antelmann. Außerdem sollen die Heranwachsenden bei den Dingen, die sie betreffen, auch selbst mitbestimmen dürfen, wie unter dem Schlagwort Partizipation festgeschrieben ist: "Partizipation erfolgt über vielfältige kind- und jugendgerechte Wege der Kommunikation und Beteiligung", heißt es im Leitbild, "die Grundhaltung der Institutionen muss auf Feedback und Partizipation ausgerichtet sein."


Zweckverbandsvorsitzende Ursula Keck begrüßte, dass es mit dem Leitbild eine gemeinsame Arbeitsgrundlage gebe, die zeige, dass man in Pattonville in der gleichen Zielrichtung laufen wolle.




Wie wurden Kinder beteiligt?
Insgesamt wurden etwa 800 Kinder und Jugendliche in das Beteiligungsverfahren einbezogen. Während einer Projektwoche fanden an der Grundschule für die Kinder von 6 bis 10 Jahren Workshops zu der Entwicklung des Jugendgeländes statt. Jugendliche führten eine Bestandsaufnahme durch, nahmen an einer Zukunftswerkstatt teil und entwickelten in 7 Bauworkshops verschiedene Modelle, aus dem dann ein gemeinsames entstand, nach dem der Plan Schritt für Schritt entwickelt wurde. Die Kinder und Jugendlichen wurden von Beginn der Planungen an beteiligt, es war und ist ein kontinuierlicher Prozess von Planung, Entwicklung, Weiterentwicklung, Beteiligung an Baumaßnahmen und Durchführung einzelner Projekte. Eine Kerngruppe von 15-20 Jugendlichen „begleitet“ den Prozess der Entstehung des Geländes unter Federführung des Landschaftsarchitekten und der Mitarbeiter des Jugendtreffs.



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