10 Jahre BVP!


Mal Glück und Wonne, mal Schmerz und Krampf

Die Gruppe Backblech sinniert beim Jubiläum des Bürgervereins Pattonville über die Liebe

Pattonville. Seinen zehnten Geburtstag hat der Bürgerverein Pattonville am Samstag gefeiert. Mit vielen Gästen und dem Kabarett-Trio Backblech.

Von Silke Schwolow , Kornwestheimer Zeitung 12.11.2007


"Zehn Jahre Bürgerverein - ein Grund zum Feiern. Das bedeutet aber auch, sich bei vielen fleißigen Händen und Kooperationspartnern zu bedanken." Mit diesen Worten eröffnete die Vorsitzende Birte Brinkmann die Feier zum zehnjährigen Bestehen. Pattonville habe sich zu einem liebenswerten Örtchen gewandelt, aber das wäre nicht passiert, wenn sich vor zehn Jahren nicht 20 Engagierte zu einem Bürgerverein zusammengeschlossen hätten - davon ist die Vorsitzende überzeugt. Viele Probleme ist der Verein seither angegangen. "Doch der Bürgerverein will nicht nur fordern, sondern sich auch beteiligen", so Brinkmann. Beispiele dafür sind das Kultur- und Freizeitprogramm, die ins Leben gerufene Bücherei, die Integrationskurse und vieles mehr. Auch die Feier zum Jubiläum reiht sich dazu ein, denn der Comedy-Abend sorgte für gute Unterhaltung.


Mit der Gruppe "Backblech" und ihrem Programm "Love hurts" hatten die Organisatoren genau den richtigen Griff getan. Zwei Männer und eine Frau erzählen die uralte Geschichte von der Liebe und ihren Irrwegen. Männer, Frauen - ein Thema, schon hundertmal behandelt, doch immer wieder spannend und amüsant. "Liebe ist Glück und Wonne, Liebe tut weh" - ja, was denn nun? Cherry Gehring und Sigi Gall versuchen es tiefer zu ergründen. Unterstützt werden sie dabei von James Geier, dem versierten Gitarristen, der das Treiben auf der Bühne musikalisch genau beäugt und immer wieder eingreift.


Ralf und Karin - das ist das Pärchen, das sich bei "Love hurts" findet, sich eigentlich nicht finden will, sich dann in die Krise manövriert und es dann am Ende doch schafft. Kombiniert ist diese in zumeist rot-romantisches Licht getauchte Zweiergeschichte mit Popsongs, Ohrwürmern, die jeder kennt und erkennt, auch wenn sie auf Schwäbisch umgedichtet sind.


Dabei steuern die drei Komödianten immer hart an der Kitsch-Grenze entlang, zerbrechen die Gefühlsduselei aber meist rechtzeitig mit einem Gag, mit einem ironisch vorgebrachten Schnulzensong oder mit einem Sprung auf eine andere Ebene. Da werden die Figuren Karin und Ralf plötzlich wieder zu den Schauspielern, die sich mal eben über diese Geschichte aufregen, sich lustig machen oder die Szene kurzerhand ändern. Der Gitarrist James Geier lässt in brenzligen Situationen seine geliebte Gitarre stehen und springt als zerstreuter Professor ein, der über den Hormonhaushalt von Verliebten referiert. Doch was bringt es: Der Psychologe, der Steuerberater, der Biologe, der Kommunikationswissenschaftler, sie alle mimt Geier mit urkomischer Gestik und Gesichtsakrobatik, und doch gehen Ralf und Karin unbeeindruckt den Weg zwischenmenschlicher Unzulänglichkeiten.


Die drei auf der Bühne nehmen so einiges auf die Schippe, was zum Thema Frau und Mann kursiert, und bedienen sich dabei auch mancher Klischees. Der Mann, der immer nur eine Sache tun kann, während die Frau vier Dinge auf einmal erledigt, die Steinzeit-Theorie vom Mann als Jäger und die dumme Sache mit dem Sätzchen "Ich liebe dich", das der Mann nun mal nicht über die Lippen bringt.


Klar, das kennen wir schon alles - aber die "Backbleche" gewinnen ihnen auch neue Seiten ab: Die gemeinsamen "Nächte des Grauens" beispielsweise, in denen Karin den "männlichen Sicherheitsberater" erbarmungslos auf Mückenjagd oder auf Einbrechersuche schickt, derweil selbst wieder friedlich einschläft und mit ihren "stumm in die Nacht gekrochenen weiblichen Gletscherfüßen" den Schlaf vollends vertreibt.


Trotz aller Widrigkeiten, sie kriegen einander doch, obwohl es da noch des Deus ex machina bedarf - der außenstehenden Macht, die den Knoten löst, weil die Figuren es nicht gebacken bekommen. Das musste ausgerechnet ein Geist sein, nämlich der tote Vater, der zu Karin spricht und sie zur Räson bringt. Auch Ralf lernt: Er kann am Ende den Satz "Ich liebe dich" einwandfrei artikulieren. Das ist auch der Schlusspunkt einer temporeichen Show, der es an Abwechslung, an professionellem Gesang, an Gags, an Emotionen und einem guten Maß Ironie nicht gefehlt hat.


"Das war eine gute Veranstaltung für Pattonville", freut sich Brinkmann nach der Aufführung. Auch der Besucherandrang hat die Organisatoren gefreut: Die Veranstaltung war restlos ausverkauft.



"Den Handelnden auf die Finger gucken"

aus der Kornwestheimer Zeitung vom 10.11.2007

Der Bürgerverein Pattonville feiert seinen zehnten Geburtstag - Vorsitzende Birte Brinkmann über das Lebensgefühl, Kommunalpolitik und bürgerschaftliches Engagement in Pattonville

Pattonville. Wache und aktive Bürger, die zum Aufbau eines Gemeinwesens beitragen - so hat vor zehn Jahren der Pattonviller Bürgerverein angefangen. Seitdem hat er sich politisch engagiert, die Bücherei aufgebaut, ein breites Angebotsnetz geschaffen und mit Aktionen und Ausstellungen Akzente gesetzt. Zum zehnten Geburtstag des Bürgervereins hat sich Susanne Mathes mit Birte Brinkmann getroffen. Die 41-jährige Sozialarbeiterin und Mutter zweier Kinder ist seit Mai Vorsitzende des Vereins.


Frau Brinkmann, wir sitzen im Pattonpoint im Café. Wo hätten wir uns vor einem Jahr zur Kaffeepause getroffen?


Es gab da diese kleine Containersiedlung. Da konnte man immerhin einen Stehkaffee einnehmen. Oder der Imbiss, da hätten wir uns auch treffen können. Aber so schöne Plätze wie die, die sich jetzt gerade entwickeln, gab"s vergangenes Jahr natürlich nicht.


Trägt es zur stärkeren Bindung an Pattonville bei, dass man jetzt mal im Café sitzen oder vor Ort eine Pizza essen kann?


Seit sich dieser Kern gebildet hat, hat man das Gefühl, hier leben wirklich Menschen, es tut sich was. Dazu zählt auch der neue Markt am Mittwoch. Er hat eine heimelige Atmosphäre und wird sehr gut angenommen, man trifft viele Leute. Die Ortsmitte ist ein Treffpunkt geworden, man fühlt sich wohl. Und das trägt auch stark zur Identifikation bei.


Durch den Platz und den Markt entsteht natürlich auch Öffentlichkeit.


Sie entsteht und wird gelebt. Man geht über den Platz, weil man mal schnell zur Apotheke muss oder zum Friseur will, man schaut, wer noch unterwegs ist - der Platz macht schon unheimlich viel aus. Und wenn man sich so umhört, kriegt man mit, dass alle ziemlich zufrieden sind mit der Entwicklung. Zu den Containern ist man eben zweckmäßig hingegangen, weil man was vom Bäcker gebraucht hat, aber sehr ansprechend war das nicht für die vielen jungen Familien, die hier in Pattonville wohnen. Zum Einkaufen, oder um sich zu treffen, ist man aus Pattonville rausgegangen - Richtung Aldingen oder Kornwestheim. Das ist jetzt anders, inzwischen sind der Italiener oder das Café für ein Treffen durchaus ein Thema. Ich hoffe, dass das weiterhin angenommen wird, damit Pattonville diese Einrichtungen nicht wieder verliert. Da spielt natürlich auch ein bisschen die Angst mit, dass da relativ schnell wieder eine Öde entstehen könnte, und das will natürlich keiner. Pattonville soll ja weiterhin attraktiv sein für Leute, die ins Grüne ziehen und Platz haben wollen.


Der Bürgerverein hat aber Angst, dass in Pattonville gar nicht mehr viel Grün übrig bleibt.


Man sieht ja, dass die Angst berechtigt ist. Wie eng der Bauabschnitt V zum Beispiel besiedelt wird - da passt ja kaum ein Baum mehr dazwischen. Da stellt sich dann schon die Frage, warum soll man nach Pattonville ziehen, wenn man ähnliche Strukturen hat wie in der Stadt? Was das Flair von Pattonville ausmacht, das ist ja, dass hier Grünflächen und Bäume sind. Es ist nicht nur eine Stadt im Grünen, sondern eine grüne Stadt. Da muss man schon sehr aufpassen, dass das nicht verloren geht. Deswegen versuchen wir den Entscheidungsträgern immer wieder klar zu machen, dass wir 30 Prozent Kinder und Jugendliche haben. Die brauchen Freiflächen, die brauchen Treffpunkte. In vier, fünf Jahren gibt es hier 600 Jugendliche, da reicht auch ein Freizeitgelände oder der Bürgertreff nicht, so toll das ist. Die wollen raus, sich bewegen. Viele Wohnungen lassen es ja gar nicht zu, dass sich dort Gruppen treffen.


Warum sind Sie nach Pattonville gezogen?


Für uns war ausschlaggebend, dass wir Freiflächen vor der Tür haben und dass es relativ gute Möglichkeiten gibt, Kinder allein auf der Straße spielen zu lassen. Das kommt unseren Kindern auch total zugute. Es ist ganz normal, dass sie rausgehen und sich irgendwo vor oder hinter dem Haus treffen.


Die heranwachsenden Generation fühlen sich als Pattonviller?


Auf jeden Fall. Die Kinder identifizieren sich total mit dem Ort, das sind alles Pattonviller. Die trennen nicht nach Kornwestheim, Ludwigsburg oder Remseck. Die machen Sport im SV Pattonville. Die haben hier tolle Kindergärten, eine tolle Schule und ihre Freunde. Unsere Kinder wollen hier nicht mehr weg.


Und Sie? Schon mal darüber nachgedacht?


Ja. Weil die Baupreise so hoch sind. Wenn man sich mit zwei Kindern überlegt, aus der Wohnung auszuziehen, ist man schon überrascht über die in die Höhe schnellenden Preise. Für Familien mit Kindern ist ein Quadratmeterpreis von 450 bis 500 Euro sehr hoch. Hier werden Häuser für zum Beispiel 430 000 Euro gebaut, die noch nicht mal großen einen Garten haben.


Hatten Sie, als Sie damals herzogen, etwas anderes erwartet?


Ich dachte schon, dass Pattonville etwas günstiger bleibt als zum Beispiel der Wohnpark Neckarstraße, es liegt ja auch weiter draußen. Aber offensichtlich verkauft sich"s. Ich fände es aber wichtig, darüber nachzudenken, wie man Familien unterstützen kann, damit sie auch in Pattonville bleiben, wenn sie sich vergrößern wollen. Es ist doch schade, wenn diese Familien wieder gehen.


Von den Kindern hatten wir es schon - aber gibt es eigentlich auch bei den Erwachsenen ein Pattonville-Gefühl?


Schwer zu sagen. Manchen fehlt vielleicht das städtische Flair, und es gibt natürlich auch Konfliktfelder oder Kritikpunkte in Pattonville. Aber viele fühlen sich wohl und haben tolle Bekanntschaften geschlossen. Es läuft viel auf der privaten Schiene. Man hat andere Familien, mit denen man sich trifft. Da entsteht schon ein Wir-Gefühl. Das zeigt sich auch daran, dass sich viele Leute entscheiden hierzubleiben. Man hatte sich ja gefragt, wie viele Wohnungen nach den zehn Jahren wohl verkauft werden, in denen den Pattonvillern Sonderabschreibungen für ihre Wohnungen gewährt wurden. Und es sind nicht sehr viele. Also scheint es den Leuten zu gefallen. Es hätte ja auch sein können, dass nach den zehn Jahren ein Exodus stattfindet, weil sich Pattonville nicht so entwickelt hat, wie es sich die Menschen vorgestellt haben. Keiner wusste, was aus Pattonville wird. Das war schon ein bisschen Pioniergebiet. Aus diesem Pionierstatus hat sich auch der Bürgerverein gegründet - aus Leuten die sich gesagt haben, wenn wir hierhin ziehen, dann müssen wir auch was tun.


Der Bürgerverein war ja zuvörderst sogar ein politisches Gremium.


Ja, er hat sich mit der Sanierung und mit der Stadtentwicklung auseinandergesetzt, bis der Beirat als beratendes Gremium installiert wurde. Der Beirat ist ein wichtiges Gremium, über den Pattonviller Interessenlagen rüberkommen. Die Gemeinderäte aus Remseck, Ludwigsburg und Kornwestheim kriegen hier wenig mit - außer Frau Finckh wohnt ja niemand in Pattonville.


Ein nicht sehr befriedigendes Konstrukt für die Pattonviller, oder?



Manchmal fragt man sich schon: Merken die Gemeinderäte eigentlich, was die Bevölkerung hier denkt, will, wünscht? Haben die ein Ohr für uns?


Und?


Es gibt sicher Gemeinderäte, die sich interessieren, aber die meisten sind nicht verankert in Pattonville. Was mich zum Beispiel ärgert, ist, dass Pattonville immer mit Kornwestheim oder Remseck verglichen wird. Dass es im Kornwestheimer Gemeinderat heißt: "Jetzt sind wir in Pattonville mit dem Jugendgelände in Vorleistung gegangen, dann muss man das auf der Jugendfarm auch machen." Oder dass die Perspektive, wenn es um die Verkehrssituation geht, immer erst ab der Aldinger Straße losgeht. Dass Pattonviller morgens, wenn sie Pech haben, eine halbe Stunde brauchen, um nach Kornwestheim zu kommen, interessiert nicht. Aber wir gehören doch zu Kornwestheim! Wir sind kein Gegner, wir sind nicht jemand, der etwas bekommt, was andere nicht bekommen. Man hat mitunter das Gefühl, Pattonville ist ein Spielball, der gezielt zwischen den Gemeinden hin und her gestoßen wird. Ich weiß auch nicht, wie man das verbessern kann. So eine Zweckverbandsstruktur mit drei beteiligten Gemeinden, das ist natürlich auch keine einfache Konstruktion.


Als das Kulturhaus dichtmachen musste, befürchteten manche Kornwestheimer Vereine, ihr Publikum komme nicht, wenn die Veranstaltungen nach Pattonville verlegt werden.


Da dachte ich: Meine Güte, wo sind wir denn eigentlich? Haben die Angst vor uns? Wir tun doch nichts! Es ist schon unschön, wenn man mit solchen Haltungen konfrontiert wird. Die Leute hier investieren viel Geld und Engagement. Dann wollen sie nicht immer hören: "Ihr in Pattonville kriegt so viel." Es ist nun mal keine gewachsene, sondern eine zusammengebastelte Struktur. Hier leben Leute aus 50 Nationen, da muss Integration und Infrastruktur entwickelt werden. Nur daraus kann dann auch ein gesundes Gemeinwesen wachsen. Wenn das nicht passiert und das Konfliktpotenzial zu groß wird, dann kann das Ganze in die falsche Richtung kippen. Das wäre das Schlimmste, was passieren könnte.


Die vielen verschiedenen Nationen - sehen Sie die auch als Plus?


Sie sind auf jeden Fall eine große Bereicherung, vor allem für die Kinder. Für die Kinder ist es selbstverständlich, dass ihre Freunde unterschiedlicher Herkunft sind. Ich glaube, die Kinder hier wissen viel mehr als die Erwachsenen, was Unterschiedlichsein bedeuten kann. Dass das nicht negativ ist, sondern dass man daraus Gewinn ziehen kann. Auch der Bürgerverein macht in dieser Hinsicht einiges, Integrations- und Sprachkurse oder Frauencafé: Viele Einzelteile tragen dazu bei, dass es in Pattonville integrativ läuft.


Gibt es Probleme mit Jugendgruppen unterschiedlicher Nationalitäten?


Nur ganz vereinzelt - aber wo hat man das nicht? Anfangs haben sich beispielsweise russische Jugendliche in Cliquen getroffen, weil die meisten frisch nach Deutschland gezogen waren und ihresgleichen gesucht haben. Aber bei den Kindern ist das nicht mehr so. Die kommen in den Kindergarten, und da sortieren sie nicht danach, wer woher kommt, sondern wer wen nett findet. Und beim Fußball spielen auch alle zusammen, egal woher sie kommen. Aber natürlich muss man an dem Thema Jugendliche trotzdem dranbleiben, mehr in Richtung aufsuchende Jugendarbeit gehen. Bürgerverein und andere Einrichtungen sind gerade dabei, sich da verstärkt Gedanken zu machen, auch im Zusammenhang mit dem Jugendgelände.


Apropos Bürgerverein: Wie steht er im zehnten Jahr seines Bestehens da?


Ich bin seit Mai Vorsitzende, und man merkt schon, dass mit Frau Bleibler eine Vorsitzende aus Pattonville weggezogen ist, die viel Arbeit und Zeit investiert hat. In solche Fußstapfen zu treten, ist nicht ganz einfach. Ich denke, dadurch steht der Bürgerverein an einer Art Neuanfang. Für mich gilt es noch stärker auszuloten, was von mir erwartet wird, wo ich meine Grenzen ziehe, was der Bürgerverein leisten kann und was nicht. Beispielsweise rufen mich Leute an und sagen, der Bürgerverein müsse was gegen die Abrodung des verwilderten Gebüschs beim Golfplatz machen. Und dann denke ich mir: Wer ist der Bürgerverein? Warum machen die Anwohner nicht auch selbst was? Mit so einer Anspruchshaltung tue ich mich ein bisschen schwer. Bei der Zebrastreifen-Diskussion ist es ähnlich. Klar könnte man immer mehr tun. Aber man kann nicht nur mit der Haltung "Da müsstet ihr noch . . ." kommen. Wir brauchen auch Leute, die es dann tun. Der Pioniergeist und das Engagement, die es in Pattonville früher gegeben hat, sind nicht mehr in diesem Maße da. Man hat jetzt nette Leute, man hat Einkaufsmöglichkeiten - man hat nicht mehr den Gedanken: Wenn ich nach Pattonville ziehe, muss ich mich einsetzen.


Verliert der Bürgerverein Mitglieder?


Das nicht. Aber es ist einfach schwierig, engagierte Leute zu finden. Meistens arbeiten beide in der Familie, wann sollen die noch was tun? Der zeitliche Korridor ist da oft ganz eng. Wenn, dann setzen die Leute sich eher im Bereich ihrer Kinder ein, als Elternbeirat - nicht mehr so sehr für allgemein ausgerichtete Dinge. Auch ich habe nicht so viel Freiräume. Ich kann auch nicht alles machen, was man sich von mir wünscht. Man darf den Leuten auch nicht zu viel auflasten, sonst vergrault man sie.


Was steht beim Verein gerade im Vordergrund?


Die Veranstaltung mit Backblech zum Jubiläum hat uns natürlich sehr beschäftigt - vom Essen über Thekendienste und so weiter. An Weihnachten wollen wir wieder unseren lebendigen Adventskalender machen - 24 Tage, 24 Aktionen, das muss geplant werden. Politisch sind wir vor allem an der Zebrastreifen-Problematik dran. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion kam ein neuer Belag auf die John-F.-Kennedy-Allee, die Bushaltestellen wurden verlegt, und beide Zebrastreifen, für die man vor ein paar Jahren so hart gekämpft hatte, waren weg. Seitdem tut sich einfach nichts. Bei den verantwortlichen Stellen schiebt man sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Laufen Sie da mal vormittags vorbei - das ist eine Katastrophe. Jeden Morgen quietschen die Autoreifen. Die Polizei sagt, es fahren nicht genügend Autos für einen Zebrastreifen, aber morgens von halb acht bis acht sind total viele Autos unterwegs. Die Kinder stehen da und warten und warten. Irgendwann kriegen sie Panik, dass sie zu spät in die Schule kommen, und rennen einfach los. Mittlerweile begleiten die meisten Eltern ihre Kinder wieder zur Schule. Und das kann"s ja nicht sein. Es ist übrigens spannend, wie das die Pattonviller sehen, die aus anderen Ländern stammen. Die können gar nicht glauben, dass man sich in Deutschland für einen Zebrastreifen vor einer Schule einsetzen muss. Dass das nicht selbstverständlich ist. Dass eine Gemeinde oder ein Zweckverband nicht einfach sagt, er will für seine Kinder einen Zebrastreifen.


Was kann der Bürgerverein tun?


Wir haben Unterschriften gesammelt, und wir wollen im Zweckverband einen Film zeigen, den die Schule gedreht hat. Der zeigt etwa 25 gefährliche Situationen in 30 Minuten. Das muss man sich mal vorstellen. Und das Traurige ist, dass wir die ganze Diskussion um Zebrastreifen vor fünf Jahren schon mal hatten. Ein echtes Déjà-vu-Erlebnis.


Wofür steht der Bürgerverein heute noch?


Bei der Stadtentwicklung sollten wir den Handelnden sicher nach wie vor auf die Finger gucken. Da ist der Verein nach wie vor wichtig. Dann haben wir sehr viele institutionalisierte Angebote wie Bücherei, Nachhilfe, "No g"schwätzt", Frauenkurse, die auch Kapazitäten bündeln. In Projekte wie das Jugendgelände wollen wir uns natürlich einklinken. Aber man muss eben immer wieder schauen: Wer macht"s? Mittlerweile gibt"s eben nicht mehr nur den Bürgerverein wie am Anfang, sondern auch andere Vereine und Institutionen, bei denen sich die Pattonviller einsetzen. Was ja auch klasse ist.


Demnächst ist Ursula Keck Zweckverbandsvorsitzende. Was wünschen Sie sich von ihr?


Dass sie ein offenes Ohr für die Pattonviller hat und sich zeigt, wenn sie merkt, welche Themen hier kochen. Das sind einfach andere Themen als in Kornwestheim, und man kann nicht das eine mit dem anderen gleichsetzen. Ich fände es schön, wenn es ihr wichtig wäre, dass man in Richtung Einheit denkt und nicht in Richtung Abgrenzung.



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