Zebrastreifen // Verkehrsregelung John-F.-Kennedy-Allee




Pattonviller fordern Tempo 30

Kritik an Verkehrsgutachten

Pattonville. Bürgerverein, Elternvertreter und Beiräte aus Pattonville wehren sich dagegen, in der John-F.-Kennedy-Allee Tempo 50 einzuführen. Die Pattonviller stellen sich damit gegen ein Verkehrsgutachten, das der Zweckverband in Auftrag gegeben hatte.


Von Gaby Mayer-Grum und Birgit Kiefer; KWZ 6.11.08


Das Gutachten, das im Auftrag des Zweckverbands Pattonville vom Büro Mörgenthaler erstellt wurde und Grundlage sein soll für eine Umgestaltung der Pattonviller Hauptverkehrsstraße (wir berichteten), wird vom Beirat, von Elternvertretern und dem Bürgerverein scharf kritisiert. "Die Qualität dieser Verkehrsuntersuchung ist unseres Erachtens mangelhaft", heißt es in der Stellungnahme. Das Büro operiere mit falschen Zahlen: Im Gutachten sei die Rede davon, dass 20 Prozent der Bevölkerung unter 16 Jahre alt sei - tatsächlich seien es über 28 Prozent.


Bei der Anzahl der Grundschüler berufe sich das Gutachten auf Zahlen aus dem Jahr 2001. "Dabei hat sich allein die Zahl der Grundschüler inzwischen von 260 auf über 400 erhöht", heißt es in der Stellungnahme weiter. Zudem habe im Süden Pattonvilles keine Verkehrszählung - auf sie stützt sich das Gutachten - stattgefunden. Gerade dort aber befinden sich die Realschule, ein Kindergarten und ein Spielplatz, künftig sollen ein Bolzplatz und eine neue Skateranlage hinzukommen.


Die Pattonviller fordern, dass in der John-F.-Kennedy-Allee weiter nur Tempo 30 erlaubt sein soll. Schwerere Unfälle könnten die Folge sein, wenn Autos in der Allee schneller unterwegs wären, außerdem würden die Anwohner durch mehr Lärm und Abgase belastet. Zudem müssten die beiden Ampeln in der Straße erhalten bleiben, die Bushaltestelle in Pattonvilles Mitte müsse dagegen verlegt werden. Grundsätzlich, fordert der Bürgerverein, sollten in der John-F.-Kennedy-Allee keine teuren Umbaumaßnahmen stattfinden, solange die Bebauung des Stadtteils noch nicht abgeschlossen ist und nicht klar ist, ob eine Stadtbahnlinie durch Pattonville führen wird.


Auch die Verkehrsschau hat sich bei ihrer Tour am Dienstag mit der John-F.-Kennedy-Allee befasst. Mit dem Bus fuhren die Gremium-Mitglieder nach Pattonville. Ordnungsamtsleiterin Susanne Nemetz erklärte vor Ort, dass die Allee eigentlich für Tempo 50 gebaut worden sei. Problematisch sei, dass die Bewohner immer alles gleichzeitig wollten: Tempo 30, Radweg und Übergänge - das gehe eben nicht zusammen, so Nemetz. Die Ordnungsamtsleiterin wies außerdem darauf hin, dass Straßenrecht Bundesrecht sei und die Bevölkerung kein Abstimmungsrecht habe. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Ohnesorg zweifelte an, dass es die Mehrheit der Pattonviller sei, die auf Tempo 30 bestünden, und Kritiker ließen sich vielleicht durch ein sorgfältig erstelltes Gutachten überzeugen. SPD-Stadtrat Robert Müller sprach sich gegen eine teure Umgestaltung der Straße aus, die möglicherweise nach der Aufsiedelung wieder rückgängig gemacht werden müsse.


Beiratssitzung vom 01. Oktober 2008

Frau OB Keck teilt mit, dass das Thema von der kommenden Zweckverbandssammlung abgesetzt wird, da zuvor noch eine Bürgerinformation mit Diskussion stattfinden soll.

Herr Dipl. Ing. Dietz vom Büro Mörgenthaler erläutert die Verkehrsuntersuchung für die John-F.-Kennedy-Allee in Pattonville.

Herr Rohfleisch hat in einem Forschungsbericht eines Bundesministeriums zum Thema "Zone 30" gelesen, dass keine Pflicht mehr zur baulichen Umgestaltung besteht und auch der ÖPNV kein Hindernis ist, eine Tempo-30-Zone auszuweisen.
Außerdem ist er der Meinung, dass die Auslastung der John-F.-Kennedy-Allee an der nördlichen Zufahrt schon jetzt sehr hoch ist. Die Fahrzeugzahlen werden sich dort nicht mehr wie vom Büro Mörgenthaler berechnet linear erhöhen, da bereits ein bestimmtes Aufkommen nicht nur durch die Bewohner von Pattonville, sondern auch durch die Tagesbesucher, wie Berufsschüler und im Zentrum arbeitende Personen besteht.

Außerdem bemängelt Herr Rohfleisch, dass das Thema Verkehrssicherheit im Gutachten, wenn es um Tempo 50 oder Tempo 30 geht, überhaupt nicht gewürdigt wird. Bei einem Unfall gibt es meistens bei Tempo 50 schwerere Verletzungen als bei Tempo 30.
Herr Rohfleisch ist auch der Meinung, dass sich bei einer Steigerung des Lärms um 3 DPA die gefühlte Verdoppelung des Verkehrs empfunden wird.

Herr Werr sieht keinen Unterschied im Verkehrsabfluss zwischen der Version mit Ampeln an den Haltestellen und der Version ohne Ampeln.

Herr Dietz erläutert, dass es sehr wohl einen großen Unterschied beim Verkehrsfluss zwischen der Ampelregelung und der Regelung ohne Ampeln gibt. Bei der Ampelregelung kann es sein, dass die Straße im Zentrum minutenlang in beiden Richtungen blockiert ist. Da, wenn ein Bus auf einer Seite in die Ampelschleuse einfährt, auch auf der gegenüber liegenden Fahrbahn kein Durchfahren mehr erlaubt ist.

Zum erwähnten Forschungsbericht und Umbauten in Tempo-30-Zonen stimmt Herr Dietz Herrn Rohfleisch zu. Allerdings ist das Umbauargument auch in der Untersuchung nicht genannt. Statt dessen möchte man darauf abheben, dass eine Straße, die für niemanden als Tempo-30-Zone zu erkennen ist, in der Regel dazu führt, dass eine Verkehrsbeschränkung nicht eingehalten wird.
Bei der Auslastung wurde auf die üblichen Zahlen mit Berücksichtigung der Bevölkerungsentwicklung von Pattonville zurück gegriffen.

Frau Hartmann-Grätsch bemängelt, dass die Untersuchung praktisch an der Kirche aufhört. Der Bereich südlich davon, wie z. B. die Problematik an der Realschule und die dortigen Bushaltestellen wurde nicht untersucht.

Herr Dietz erläutert, dass die Untersuchung hauptsächlich wegen der Probleme in der Pattonviller Mitte in Auftrag gegeben wurde und daher der südliche Bereich keine besondere Betrachtung erhielt.

Herr Kupper fragt, wie es damals war als die Verkehrskommission beschlossen hat, die 30 km/h für die John-F.-Kennedy-Allee zuzulassen und zusätzlich Umbauten dafür gefordert hat. Warum wurden diese Umbauten damals nicht gemacht?

Weder Frau OB Keck noch Herr Dietz können diese Frage beantworten.

Herr Dietz erläutert noch, dass die Verkehrszählung an einem Tag stattgefunden hat. Die Beobachtung der Verkehrssituationen erfolgte an mehreren Tagen zu verschiedenen Zeiten.

Herr Kupper ist der Meinung, dass die Spitzenzeiten, also wenn sehr viel Verkehr auf der John-F.-Kennedy-Allee ist, dafür sorgen werden, dass in dieser Zeit sowohl die 30 als auch natürlich die 50 km/h eingehalten würden.

Herr Werr interessiert sich dafür, was passieren würde, wenn die gesamte John-F.-Kennedy-Allee Zone 30 wäre. Würde dann bei 9.000 PKW der Verkehr zusammen brechen?

Herr Gemm stellt fest, dass man mit der 30 km/h-Regelung auf der John-F.-Kennedy-Allee gut gefahren ist. Es gab keine Unfälle. Das jetzt vorgeschlagene Konzept von 50-30-50 stellt seiner Meinung nach kein wirkliches Regulativ dar. Dieses wäre viel eher noch ein Kreisverkehr, auch im Süden. Dies wird um so wichtiger, wenn die Neckarbrücke kommt und noch mehr Verkehr an Pattonville vorbei fließen wird.
Dann kann es auch dazu kommen, dass durch die stärkeren Verkehrsströme an den Einmündungen der Verkehr innerhalb von Pattonville langsamer fließt.

Herr Rohfleisch ist nicht der Meinung, dass bei 50 km/h der Verkehr besser abfließt. Dann gibt es das Problem, dass von den Seitenstraßen niemand mehr auf die John-F.-Kennedy-Allee hinein kommt.

OB Keck versteht die Unzufriedenheit der Beiräte und der Zuschauer, weil man sich eventuell von dieser Untersuchung etwas mehr erhofft hat. Aber es ist nach Ihrer Auffassung besonders wichtig, zuerst im Zentrum mehr Verkehrssicherheit zu erreichen. Dies wäre durch die Vorschläge in dem Gutachten gegeben. Die Gemeinderäte werden in Vorbereitung der Zweckverbandssitzung vom 1.12.2008 darüber entscheiden, ob die vom Büro Mörgenthaler vorgeschlagene Variante 3b umgesetzt wird. Dies wird in etwa 350.000 EUR kosten, weshalb die Zustimmung der kommunalen Gremien der 3 Mitgliedsstädte unbedingt erforderlich ist. Sollten die Gemeinderäte nicht zustimmen, würde man wieder am Anfang stehen und keine Sicherheit für die querenden Fußgänger bekommen.

Die Einführung der Tempo 50 im Norden und im Süden wird der steigenden Zahl von Fahrzeugbewegungen geschuldet und gleichzeitig dafür sorgen, dass die beiden Ampeln in diesem Bereich beibehalten werden können. Im inneren Bereich werden die vorgeschlagenen Maßnahmen zur Geschwindigkeitsreduzierung (Mittelinsel, Minikreisel bzw. "Schildkröten") ermöglichen, dass das Regierungspräsidium die Anordnung von einer Tempo-30-Zone zulässt. An dieser Behörde kommt auch die Stadt Kornwestheim nicht vorbei.

Herr Rohfleisch ärgert sich sehr darüber, dass im Jahr 2001 der Gemeinderat in Kornwestheim die Tempo 30 beschlossen hat und jetzt soll der Gemeinderat nur bezahlen dürfen und nicht mehr mitbestimmen können.

Frau OB Keck erläutert ausführlich den Unterschied der Stadt Kornwestheim zur Straßenverkehrsbehörde, welche als weisungsgebundene untere Straßenverkehrsbehörde den Vorgaben der höheren Behörde folgen muss.


"Hauptsache, wir kommen sicher über die Straße"

Das Fernsehen nimmt sich des nicht mehr vorhandenen Zebrastreifens in Pattonville an: "logo!"-Drehtermin an der John-F.-Kennedy-Allee

Pattonville, 1.02.2008 . "logo!" ist da! Wie ein Lauffeuer hat sich die Nachricht gestern an der Pattonviller Grundschule verbreitet. Die Kinder-Nachrichtensendung greift das Zebrastreifen-Problem auf. Dazu gab"s Dreharbeiten mit Grundschülern und Oberbürgermeisterin Ursula Keck.

Von Susanne Mathes, Kornwestheimer Zeitung

"Diese Woche sind schon zwei Unfälle passiert", sagt Kristina ins Mikrofon. Ihrer Freundin Alisa fällt ein: "Wir wollen unseren Zebrastreifen wieder, oder was anderes, Hauptsache, wir kommen sicher über die Straße." Selbstbewusst haben sich die beiden Freundinnen vor der Kamera aufgebaut, um zusammen mit Lea, Rangar und Sarah dem aus Mainz angereisten Redakteur Alexander Eschment zu erzählen, was sie auf dem Herzen haben. Alle "logo!"-Zuschauer sollen es erfahren: In Pattonville kommen Kinder nicht gefahrlos zur Schule, seit es keinen Zebrastreifen mehr gibt.

"logo", eine vom ZDF produzierte und im Kinderkanal und im ZDF ausgestrahlte Nachrichtensendung, schickt regelmäßig das Logomobil durch Deutschland, das Kindern mit der "logo!-Redezeit" helfen will, Probleme zu lösen. "Bäderschließungen, Verlegungen von Jugend- oder Freizeitheimen, fehlende Zebrastreifen - das sind die Themen, um die wir uns kümmern", erzählt Alexander Eschment. Ein Kamerateam und ein Redakteur treffen sich mit betroffenen Kindern und bringen sie mit verantwortlichen Politikern zusammen. "Denen fühlen die Kinder manchmal ganz schön auf den Zahn", schmunzelt er.

Meist ist den Politikern das Versprechen zu entlocken, dass sie sich um die Sache kümmern wollen. "Manche geben ihren Handschlag oder ihre Unterschrift darauf", berichtet der Mann vom Fernsehen. Einige Monate später überprüft "logo!", ob die Politiker ihre Versprechen gehalten haben. Manchmal lässt sich durch die Sendung etwas bewirken, manchmal auch nicht: "So lernen die Kinder immerhin, dass in einer Demokratie Mehrheitsentscheidungen getroffen werden, die man akzeptieren muss."

Als treue "logo!"-Guckerinnen haben die Viertklässlerin Alisa Rieger und ihre kleine Schwester Lea vor Weihnachten beschlossen, wegen des nicht mehr vorhandenen Zebrastreifens auf der John-F.-Kennedy-Allee an "logo!" zu schreiben. "Dass die sich wirklich melden, und das auch noch so schnell, das hätte ich nicht geglaubt", erzählt Claudia Rieger, die Mutter der Mädchen.

Die Kinder selbst finden es einfach klasse, dass das Logomobil tatsächlich nach Pattonville gekommen ist. Und deshalb ist es den fünf jungen Protagonisten auch ganz egal, wie oft sie auf der zugigen Hauptverkehrsstraße für die richtige Kameraeinstellung ihre Füße an die Bordsteinkante setzen oder über die Fahrbahn sausen müssen. Erst wenn Kameramann Markus Müller-Engelke zufrieden ist, wird die nächste Szene in Angriff genommen. Wie die Kinder in die Schule stürmen. Wie sie im Videoraum den Film zeigen, für den sie gefährliche Situationen auf der John-F.-Kennedy-Allee aufgenommen haben. Oder wie sie auf einem Straßenplan den Unfall nachstellen, bei dem am Dienstag eine ihrer Schulkameradinnen angefahren worden ist.

Dann naht der entscheidende Augenblick. Ursula Keck, Kornwestheimer Oberbürgermeisterin und neue Pattonviller Zweckverbandsvorsitzende, ist da. Mit ihr stellen sich die Kinder an den neuralgischen Punkt vor der am Mittag vielbefahrenen Straße. "So, jetzt fragt ihr, was ihr euch überlegt habt. Denkt dran: Sprecht deutlich und in ganzen Sätzen, damit eure Zuschauer auch mitkommen", ermuntert Alexander Eschment die Kinder. "Und nicht vergessen: Jeder hört dem anderen zu und lässt ihn ausreden."

Den kleinen Interviewern ist das Herz jetzt aber doch ein bisschen in die Hose gerutscht. Oder liegt"s daran, dass die Kommunalpolitikerin so freundlich zu ihnen ist und daher keine rechte Angriffsfläche bietet? "Wir haben erkannt, dass ihr recht habt und etwas geschehen muss", sagt sie. "Und gerade überlegen wir, wie wir"s machen können, damit ihr euch wohlfühlt." Eine lange Mittelinsel, Ampeln bei Tempo 50 oder kleine Kreisel, deretwegen die Autos langsamer fahren müssten, seien im Gespräch. Sie sage aber auch nicht, dass es definitiv keinen Zebrastreifen geben werde. "Wir brauchen einfach noch Zeit. Bis zu den Sommerferien sind wir sicher noch nicht fertig. Und so lange wäre es mir wichtig, dass ihr den kleinen Umweg macht und die Ampeln benutzt", betont Keck. "Aber dann sind wir doch nicht mehr in der Schule, dann bringt es uns nichts mehr", meint Sarah enttäuscht. "Eigentlich bringt es uns doch was. Wenn wir uns besuchen wollen, müssen wir ja auch über die Straße", wendet Kristina ein. Die kleine Lea hingegen glaubt: "Wenn in der Mitte eine Verkehrsinsel ist, kann doch beim Rübergehen immer noch was passieren."

Trotzdem sind die Kinder nach der Aufnahme zufrieden. "Wollt ihr von Frau Keck noch einen Handschlag darauf, dass sie wirklich etwas unternimmt?", fragt Redakteur Eschment. Allseits Kopfschütteln. "Die glauben mir auch so, das finde ich richtig", meint die Oberbürgermeisterin und verabschiedet sich. Die Kinder wollen jetzt nur noch eins: eine Runde mit dem Logomobil fahren.

"logo!" kommt montags bis freitags um 15.50 Uhr und montags bis donnerstags um 19.50 im Kinderkanal sowie samstags um 8.50 Uhr im ZDF. Die "Redezeit" aus Pattonville soll kommende Woche ausgestrahlt werden.


Der Kampf um den Zebrastreifen geht weiter

Podiumsdiskussion in der Heilig-Geist-Kirche verläuft für die Pattonviller unbefriedigend - Innenministerium soll zur Problemlösung beitragen

Pattonville, 15.12.2007. Nach wie vor kämpfen die Pattonviller für einen Zebrastreifen im Ortskern. Bei einer Informationsveranstaltung haben Stadt, Polizei und Fürsprecher ihre Positionen deutlich gemacht. Nun heißt es: abwarten, bis Vertreter des Innenministeriums kommen.

Von Stefanie Köhler, Kornwestheimer Zeitung

Da gibt es diesen Ohrwurm von Rolf Zuckowsky: "Zebrasteifen, Zebrastreifen, mancher wird dich nie begreifen, Zebrastreifen, Zebrastreifen, doch ich weiß Bescheid. Zebrasteifen, Zebrastreifen, alle, die dich nicht begreifen, Zebrastreifen, Zebrastreifen, die tun mir nur leid." Zuckowsky singt von Sinn und Zweck eines Zebrastreifens, und den haben die Pattonviller längst begriffen. Umso weniger können sie deshalb verstehen, warum an der John-F.-Kennedy-Allee kein neuer Zebrastreifen angebracht wird. Für die Pattonviller war der Donnerstagabend in der Heilig-Geist-Kirche nicht wirklich befriedigend. Sie seien schlecht informiert worden, sagen sie, unzählige Fragen stünden im Raum. Die wohl gewichtigste an die Diskussionsteilnehmer auf dem Podium: Teilen Sie unsere Meinung zum Thema Zebrastreifen?


Die Verkehrszählung am Mittwochmorgen zwischen 7 und 8 Uhr habe das hohe Verkehrsaufkommen klar gezeigt, betont Birte Brinkmann, Vorsitzende des Bürgervereins Pattonville: 192 Fußgänger und 374 Fahrzeuge. Genug für einen Zebrastreifen, findet die Pattonvillerin. Der Ortskern sei Treffpunkt für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und durch das Altenheim bald auch für viele Senioren. "Mir ist unklar, warum genau dort ein Fußgängerüberweg nicht mehr hinkommt", sagt Brinkmann - und erhält zustimmenden Applaus. Warum der Zebrastreifen verschwunden ist, versteht das Publikum ebenfalls nicht. Oberbürgermeisterin Ursula Keck erklärt: "Der Fußgängerüberweg wurde nur für die Zeit der baulichen Maßnahmen errichtet", Bestandsschutz sei daher nicht infrage gekommen. "Doch die baulichen Maßnahmen sind noch nicht abgeschlossen", stellt die Gesamtelternbeiratsvorsitzende der Grundschule, Barbara Siebe, fest. Der Zebrastreifen sei entfernt worden, da eine endgültige Asphaltdecke auf die Straße kam, betont Keck und wirft die Frage auf, ob die Bürger an einer langfristigen oder nur kurzfristigen Lösung während der städtischen Aufsiedlungsphase interessiert seien. Jedoch gibt sie zu: Die Überteerung des Zebrastreifens hätte besser kommuniziert werden sollen.


"Wir müssen eine Entscheidung treffen, wie eine vernünftige Verkehrsregelung aussieht", sagt Keck. Zusammen mit Vertretern des Innenministeriums, die im Januar nach Pattonville kommen, werde sie die Situation besprechen. Alle Fragen, die die Bürger hätten, werde sie mitnehmen, diskutieren, beantworten, verspricht die OB. An dieser Aussage hält sie den Abend über fest.


Kopfschütteln und Unmut ernten auch Hermann Schneider von der Polizeidirektion Ludwigsburg und Harald Prasky, Leiter des Kornwestheimer Reviers: Die Tatsache, dass die Richtlinie für Fußgängerüberwege keinen neuen Zebrastreifen zulässt, können die Pattonviller nicht nachvollziehen. Ihre Verkehrszählung habe schließlich Fakten geliefert. "Aufgrund der Zahlen könnten wir einen Zebrastreifen einrichten", bestätigt Schneider. Jedoch gingen nicht ausreichend Bürger an der Stelle über die Straße, an der ein neuer Zebrastreifen angedacht sei, und die nötigen Sichtbeziehungen seien wegen Bussen, Rückstaus und parkender Autos nicht gegeben. "Ein Autofahrer Richtung Flugplatz, der den Zebrastreifen sieht, konzentriert sich nicht mehr auf Menschen, die zwischen den Bussen und Autos die Straße überqueren", betont Schneider. Setzten Autos zum Überholen der stehenden Busse an, würde es richtig gefährlich. Die Pattonviller sind erbost: "Die Kinder überqueren kreuz und quer, weil sie nicht wissen, wo sie rüber sollen", sagt Brinkmann. "Wir können sie sehr wohl bündeln und anweisen, über den Zebrastreifen zu gehen." Aber: Wo nichts ist, könne nichts überquert, gar gebündelt werden.


Wie sieht es mit einer Verlegung des Zebrastreifens aus? "Derzeit kann ich keinen Standort vorschlagen, der sicher ist und von den Fußgängern angenommen würde", bedauert Schneider. Eine Verlagerung der Bushaltestellen? Unmöglich. "Das Zentrum ist die öffentliche Mitte, da gehören Haltestellen hin", stellt der Stadtplaner von Pattonville, Prof. Wolfgang Schwinge, klar. Auch Karl-Heinz Balzer, Remsecks Erster Bürgermeister, betont die rechtliche Gebundenheit samt Wichtigkeit des öffentlichen Personennahverkehrs. Doch sein Ziel sei, die erforderliche Bündelung zu erreichen und eine Lösung zu schaffen, die für die nötige Sicherheit sorge. Ein Vorschlag von Susanne Nemetz, Leiterin des Amtes für öffentliche Ordnung: "Ziehen Sie Ihre Kinder hell an, und verweisen Sie sie auf die Ampel." Die bedürfe eines geringen Umwegs von 120 Metern.


Der Hinweis eines Herrn, in der Danziger Straße gebe es zwei Zebrastreifen in kurzem Abstand, vermag die Situation nicht zu entschärfen. Für die Pattonviller bleibt nach eineinhalb Stunden Podiumsdiskussion nur die Hoffnung auf das Innenministerium.


Stellungnahme der AG Jugend zum Zebrastreifen

Die AG Jugend ist das beratende Fachgremium in Sachen Kinder- und Jugendarbeit, kinder- und jugendfreudlichen Stadtentwicklung des Zweckverbandes in Pattonville.

Mit dem Bau der Neuen  Mitte  hat man ein Zentrum geschaffen, in dem Bürgerinnen und Bürger, Senioren,. Kinder und Jugendliche sich begegnen sollen. Der Martin-Luther-King-Platz, verschiedene Einkaufsmöglichkeiten, der Mittwochsmarkt und verschiedene Treffpunkte laden zum Verweilen ein. In der Mitte wurde zudem ein neuer Kindergarten mit 100 Kindern und der Bürgertreff eingerichtet, hinzu kommt noch das sich im Bau befindende Seniorenzentrum. Die Schule im direkten Anschluss an den Martin-Luther-King-Platz mit ca. 400 Kindern rundet die Mitte ab.

Bereits in der Planung der Neuen Mitte hat  Herr Prof. Schwinge die benötigten Übergänge über die John-F.-Kennedy-Allee festgelegt. Aufgrund neuer Richtlinien wurde der geplante Zebrastreifen beim Martin-Luther-King-Platz mit Zustimmung der Polizei und des Ordnungsamtes an eine geeignete Stelle neben dem Martin-Luther-King-Platz verlegt. Der Zweckverband hat der Planung der Neue Mitte so zugestimmt. Weder das Ordnungsamt noch die Polizei haben darauf hingewiesen, das mit der Verlegung des Zebrastreifens der Bestandsschutz verloren geht und eine Wiederherstellung gefährdet sein könnte.

Für uns unverständlich, dass diese Planung die vor einem Jahr im Zweckverband genehmigt und beschlossen wurde nun doch keine Gültigkeit haben soll. Zudem wurde dem Stadtplaner aufgrund fehlender Informationen seitens des Ordnungsamtes und der Polizei die Möglichkeit genommen, den Bestandsschutzes des Zebrastreifens zu sichern.

Aufgrund der unübersichtlichen Verkehrssituation mit Parkbuchten, Bushaltestellen in der Neuen Mitte und eines wachsenden Verkehrsaufkommens durch die Aufsiedelung in BA 5 und 7 erwarten wir, die von Herrn Prof. Schwinge geplante und vom Zweckverband beschlossene Verkehrsführung und deren dazugehörigen Überwege zu realisieren und die Zebrastreifen zur Sicherheit unserer Kinder anzubringen

Die Mitglieder der AG Jugend    
Pattonville, den 10.12.07


Kinder kämpfen für einen Zebrastreifen

Stadt Kornwestheim schaltet das Verkehrsministerium ein

6.12.07 Pattonville. Julian kann sich gut erinnern. "Früher, als der Zebrastreifen da war", erzählt er, "da haben Autofahrer auch mal angehalten." Das tun sie jetzt kaum noch. Und deshalb wünschen sich die Schüler der Grundschule Pattonville wieder einen Zebrastreifen.


Von Werner Waldner / Kornwestheimer Zeitung


Bis zur Neugestaltung des Pattonviller Ortskerns gab"s einen Zebrastreifen auf der John-F.-Kennedy-Allee. Dann wurde die Straße neu geteert, Bushaltestellen in etwa dort eingerichtet, wo sich der Fußgängerüberweg befand - und der Zebrastreifen war verschwunden. Nun setzen die Schüler zusammen mit ihren Eltern und Lehrern Himmel und Hölle in Bewegung, um wieder einen Zebrastreifen auf der John-F.-Kennedy-Allee zu bekommen - bisher ohne Erfolg.


Ein Gespräch mit Oberbürgermeisterin Ursula Keck und Vertretern der Polizei haben sie geführt, der Beirat Pattonville ist eingeschaltet worden, vom Einkaufszentrum aus haben sie 30 Minuten lang gefährliche Situationen gefilmt - doch die Stadt Kornwestheim hat sich noch nicht für einen Zebrastreifen erwärmen können.


Von dem, was die Kinder in den Gesprächen mit der Oberbürgermeisterin und den Behördenvertretern an Vorschlägen gehört haben, halten sie nichts. Mit den Autofahrern sollen sie sprechen. Aber wie sollen sie die erreichen? "Wenn wir uns denen vors Auto werfen, dann macht das auch keinen Sinn", sagt Jana. Von Schülerlotsen war die Rede. Ein schlechter Scherz. Sie müssen mindestens 13 Jahre alt sein und dürfen nur an Zebrastreifen eingesetzt werden . . . Ein Vorschlag lautete: Ältere Geschwister sollen die Grundschüler über die Straße begleiten. Aber nicht alle haben ältere Geschwister.


Die Jungen und Mädchen halten es für einen Fehler, dass der Zebrastreifen beseitigt worden ist. Und wer einen Fehler mache, sagt Semra, der solle ihn auch korrigieren. In welcher Form auch immer. Die Bushaltestelle könne verlegt, eine Brücke gebaut werden. Die Kinder zeigen sich ganz kreativ. Und sie denken nicht nur an sich selbst. Wenn erst einmal das Altenheim im Pattonviller Zentrum bewohnt sei, dann sei ein Zebrastreifen dringend erforderlich, sagen die Kinder. Zu ihrer Sicherheit und der der Senioren


Das alles sind Argumente, die Hermann Schneider von der Polizeidirektion Ludwigsburg nicht umstimmen können: Laut der Richtlinie für die Anlage und die Ausstattung von Fußgängerüberwegen sind seiner Ansicht nach die Voraussetzungen für einen Zebrastreifen in Pattonville nicht erfüllt. Drei Gründe führt der Beamte an: Zum einen mangelt es an der sogenannten Bündelung. Das heißt: Die Mehrzahl der Fußgänger will die John-F.-Kennedy-Allee nicht an einer bestimmten Stelle überqueren, sondern über die gesamte Breite gehen die Menschen über die Pattonviller Hauptverkehrsstraße. Außerdem fehlt es vom gewünschten Standort aus am ausreichend großen Abstand zur Bushaltestelle, wenn zwei Busse dort stehen. Und die für einen Zebrastreifen erforderlichen Zahlen - 200 bis 300 Autos und 50 bis 100 Fußgänger in der Stunde - werden auch nicht erreicht. Für den Verkehrsexperten kommt ein Zebrastreifen vor dem Pattonviller Einkaufszentrum nicht infrage. Schneider hält eine Mittelinsel für angebracht. Sie biete auch mehr Sicherheit als ein Zebrastreifen, dessen Wirkung, das hätten Untersuchungen ergeben, häufig überschätzt werde.


Oberbürgermeisterin Ursula Keck sagt, sie verstehe das Bedürfnis der Schüler, Eltern und Lehrer nach einem gesicherten Übergang. Aber angesichts der Richtlinien seien ihr die Hände gebunden. Sie könne nicht davon losgelöst handeln. Keck hat aber das baden-württembergische Verkehrsministerium eingeladen, sich die Situation vor Ort in Pattonville anzuschauen. Sie möchte darauf hinwirken, einen gesicherten Übergang zu ermöglichen.
Siehe Kommentar

Erwachsene sind kompliziert

Von Werner Waldner / Kornwestheimer Zeitung


Liebe Kinder, klar habt ihr Recht: Auf die John-F.-Kennedy-Allee gehört ein Zebrastreifen. Oder eine Mittelinsel. Damit ihr morgens sicher zur Schule kommt, wenn die Erwachsenen mit ihren Autos zur Arbeit brausen. Denn: Am Zebrastreifen wartende Kinder fallen Autofahrern eher auf. Eine Mittelinsel bietet zusätzlich Sicherheit. Jetzt werdet ihr fragen: Warum gibt"s dann keinen Zebrastreifen? Oder eine Mittelinsel?


Das ist ein wenig kompliziert zu erklären: Manchmal irritieren wir Erwachsenen unseren gesunden Menschenverstand durch Verordnungen und Gesetze, die in der Mehrzahl zwar ihre Berechtigung haben, aber nicht jeden Einzelfall berücksichtigen können. Wenn wir uns nur strikt an diese Bestimmungen halten, dann übersehen wir, dass es mitunter gut ist, auch einmal nach anderen Lösungen zu suchen. Wie in Pattonville. Deshalb ist es wichtig, dass ihr euch weiter für den Zebrastreifen einsetzt. Erklärt denjenigen, die die Entscheidung zu treffen haben, warum ihr ihn benötigt - und lasst nicht locker. Bis sie überzeugt sind. Das kann ein wenig dauern. In dieser Zeit gebt bitte gut acht, dass niemand unters Auto kommt. Sollte das geschehen, wird der Zebrastreifen übrigens ruckzuck aufgebracht. Leider zeichnet uns Erwachsene auch das aus: Manchmal werden wir erst durch Schaden klug. Der Schaden ist in diesem Fall hoffentlich nicht nötig.


Der Zebrastreifen lässt auf sich warten

Polizei prüft Notwendigkeit für Pattonville

28.09.07 Pattonville. Vor wenigen Tagen wurde in Deizisau der erste Zebrastreifen Deutschlands mit Markierungsleuchtknöpfen in Betrieb genommen. Den Pattonvillern würde es reichen, wenn sie auf der John-F.-Kennedy-Allee ihre herkömmlichen Zebrastreifen wiederbekommen würden.

Von Werner Waldner / Kornwestheimer Zeitung

Aber da werden sich die Pattonviller vermutlich noch ein wenig gedulden müssen. Denn ganz so einfach ist das mit den Zebrastreifen nicht. Verschwunden sind die Streifen in Pattonville, weil die John-F.-Kennedy-Allee im Sommer geteert wurde. Und einfach an der alten Stelle die neuen Streifen anbringen, das ist nicht möglich. Denn die John-F.-Kennedy-Allee hat nicht nur einen neuen Belag bekommen, sondern auch neue Bushaltestellen. Die befinden sich in etwa dort, wo einst der Zebrastreifen war. Und die Streifen mussten den großen Lettern BUS weichen.

Den Zebrastreifen nun einfach ein paar Meter weiter östlich oder westlich anzubringen, das ist so einfach nicht möglich, wie Dieter Girrbach, Geschäftsführer des Zweckverbandes Pattonville/Sonnenberg, am Mittwochabend in der Sitzung des Beirates erläuterte. Für einen Ortstermin in der John-F.-Kennedy-Allee ließ die Polizei sogar einen Gelenkbus herbeirufen und an der Haltestelle parken, um mit einem Rädle nachmessen zu können, wo der Zebrastreifen angebracht werden könnte. Girrbach: "Die Notwendigkeit und Rechtmäßigkeit des Zebrastreifens muss komplett überprüft werden." Es müsse auch eine Verkehrszählung erfolgen. Gegenüber einem Zebrastreifen an der Realschule habe die Polizei sogar Vorbehalte geäußert, wusste Girrbach zu berichten. In der Ortsmitte sei realistischerweise mit einem neuen Zebrastreifen zu rechnen, so der Geschäftsführer des Zweckverbandes.

"Als ob unsere Exekutive nichts anderes zu tun hat", stöhnte Beiratsmitglied Manfred Kupper. Er und seine Kollegen zeigten wenig Verständnis für die Vorgehensweise. Werner Gemm wusste zu berichten, dass in den vergangenen Monaten drei Kinder in Pattonville angefahren worden seien. Ein Zebrastreifen, so Gemm, biete nicht nur den Kindern Orientierungssicherheit, sondern auch den Autofahrern.

Der Zweckverbandsvorsitzende Karl-Heinz Schlumberger bat um Verständnis. "Wir müssen die Meinungen der Fachbehörden abwarten und akzeptieren", so der Remsecker Oberbürgermeister.



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