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Für den Journalisten liegt es auf der Hand: "Die Verkehrspolitik allein ist nicht mehr in der Lage, die Verkehrsprobleme zu lösen. Da sind zu viele Entwicklungen zu lange nebeneinander hergelaufen." Nur ein umfassender politischer Ansatz könne eine Wende einläuten: "Wer weniger Verkehr will, muss in der Ansiedlungspolitik, im Wirtschaftsleben und auch in der Freizeit Verkehr vermeiden." Dazu gehöre es, die Haltung zu überdenken, das Autofahren sei das letzte Dorado und man habe uneingeschränkten Anspruch auf das Gut Mobilität. Deshalb betrachtet Durchdenwald auch die von Regierungspräsident Udo Andriof propagierte Neckarquerung in Aldingen mit Skepsis: Zwar rechneten Planer durch die Querung mit einer Entlastung der bisherigen Brücke, "aber es ist illusorisch zu glauben, dass es dort dann keine Verkehrsprobleme mehr gibt". Außerdem sei bekannt, dass man Verkehr anziehe, wenn man ihm gute Bedingungen schaffe. "Und eine leistungsfähige neue Neckarquerung ohne entsprechende Anbindung würde wenig Sinn machen. Das spricht dafür, dass die Andriof-Brücke darauf abzielt, den Nord-Ost-Ring wieder ins Gespräch zu bringen", meinte Durchdenwald.
Aus der Perspektive des Regierungspräsidenten sei diese Vorgehensweise allerdings auch legitim. Jeder versuche doch, seine Interessen durchzusetzen. "Ich bin manchmal froh, als Journalist nur Beobachter zu sein und nicht Entscheidungsträger", räumte Durchdenwald ein. "Ich möchte oft nicht in der Haut von Bürgermeistern oder Gemeinderäten stecken. Die können es nie jedem recht machen." Auf das Motto des Abends bezogen meinte er: "Ich glaube, die geplante Neckarquerung hat das Potenzial, zu einem Fluch zu werden, und der Segen für Remseck wird geringer als erwartet."
Vehement sprachen sich viele Zuhörer in der anschließenden Diskussion gegen die weitere Neckarquerung aus. "Remseck sollte nicht die Lebensqualität seiner Bürger aufs Spiel setzen, sondern seine Hausaufgaben machen, sich um die U 14 kümmern und erst einmal abwarten, was aus dem Projekt Stuttgart 21 wird", meinte ein Familienvater. Remseck müsse nicht Wirtschaftspolitik für die Region Stuttgart machen. Befürworter der Neckarquerung wie der frühere Remsecker Bürgermeister Peter Kuhn ("Wir sollten über den Tellerrand hinausschauen") waren in der Minderzahl.
Auch den Pattonviller Bürgern schwant im Zusammenhang mit der weiteren Neckarquerung nichts Gutes: "Wir in Pattonville bekommen dann das Fett ab", meinte Werner Gemm vom Bürgerverein. Derzeit sei Pattonville durch die Baustelle in Sachen zusätzlicher Verkehrsbelastung ja schon im Testbetrieb. "Wir haben die Sorge, dass uns der Verkehr überrollt", erklärte Gemm.
In Pattonville kommt erschwerend hinzu, dass durch die schlechten ÖPNV-Verbindungen viele Familien auf das Auto angewiesen sind. Etliche Pattonviller beklagten sich beim Pressestammtisch bitter über die Situation. Von Thomas Durchdenwald wollten sie wissen, wie er die Chancen Pattonvilles auf einen Stadtbahn-Anschluss einschätze. "Ich glaube nicht, dass es da bald substanzielle Veränderungen gibt", antwortete der Verkehrsexperte der "Stuttgarter Zeitung".
Investiert würde hingegen in S-Bahn-Projekte auf den Strecken Böblingen-Renningen, Marbach-Backnang und Plochingen-Kirchheim. Weiteres Geld stecke das Land in den Ausbau der A 8 bei Leonberg, der A 81 bei Böblingen/Sindelfingen, den Ausbau der B 10 bei Göppingen und in die B-14-Umfahrung Winnenden. "Wieder Ausgaben für Straßenbauprojekte und nicht für den öffentlichen Nahverkehr", kommentierte Jasmine Finckh vom Bürgerverein. Thomas Durchdenwald wies in diesem Zusammenhang nochmals darauf hin, dass auch ein Mentalitätswandel vonnöten sei: "Viele Menschen in der Region haben eine optimale ÖPNV-Anbindung und fahren trotzdem mit dem Auto."
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